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Raum Zeit Kontinuum

Ich hatte einen Traum. Es war mal wieder ein Traum, den ich in die Kategorie „Banal-Traum“ packen würde – aber dennoch sehr intensiv – und irgendwie bin ich mit einem Gefühl von Erkenntnis aufgewacht. Daher will ich das mal eben dokumentieren.

Ich hatte mein Studium der Wirtschaftswissenschaften abgebrochen – so wie ich s ja auch im echten Leben bereits 1996 getan hatte. Dann gab es einen Flogmarktstand, an dem ich gemeinsam mit einigen Kommuliton*innen Bücher verkauft habe. Mein Vater war an dem Stand – und wir haben uns ein besonders alten Buch gemeinsam angesehen. Auf den letzten Seiten ging es um die „Entdeckung“ von Raum und Zeit. Also die Erkenntnis, das die Zeit vergeht – und dass der Verlauf der Zeit gemessen werden kann – und dass der Raum ebenfalls gemessen werden kann. Diese Erkenntnisse sind nicht besonders alt – aber in unserem Verständnis der Realität elementar wichtig. Nur so lässt sich einordnen, was wo wann in der Vergangenheit passierte – und was wann wo in der Zukunft passieren soll. Nur so können wir unsere Art und Weise des Lebens überhaupt aufrecht halten. Nur so haben wir eine Geschichte – und nur so haben wir eine Zukunft. Nur so haben wir ein Kuntinuum.

Wir haben (in meinem Traum) dann auch über den Angriff auf dieses Raum Zeit Kontinuum gesprochen. Aktuell wird von vielen verschiedenen Seiten versucht, sowohl das „was“ also auch das „wann“ und das „wo“ in Frage zu stellen und zu verfälschen. Und spätestens seit der Psäsidentschaft von Donald J. Trump ist diese Verfälschung des Raum-Zeit-Kontiuums salonfähig geworden.

Was mit solchen Lügen auf dem Spiel steht ist aber viel mehr, als lediglich die Wahrheit. Mit der Verfälschung des „was“ und „wann“ und „wo“ steht also nicht nur „die Wahrheit“ auf dem Spiel – sondern langfristig betrachtet unsere Art und Weise, wie wir leben – wie wir uns definieren. Unsere Existenz. Wenn nicht mehr sicher ist, was wann wo passierte, macht es keinen Sinn mehr, die Geschichte zu dokumentieren …– und dann macht es auch irgendwann keinen Sinn mehr, eine Zukunft zu planen. Denn dann wird alles austauschbar – alles egal.

Wie gesagt: der Traum war zunächst vielleicht ein Banal-Traum – in seiner ganzen Konsequenz ging es aber doch um nicht weniger als unser aller Raum Zeit Kontinuum.

Spaziergang durch Mitte

Ich erinnere mich an einen Spaziergang mit meinem Vater. Wir gingen die Sophienstraße entlang – auf dem schmalen Fußweg abgesetzt von der übrigen Spaziergruppe.

Vor uns bückte sich ein Flaschensammer nach einer Pfandflasche und beförderte diese in seine Tasche. Meinem Vater war das Konzept offenbar vollkommen unbekannt. Er fragte oder bemerkte „Was macht denn der da?“ –– er war verwundert – ich war verwundert. Ein Flaschensammler!

Mein Vater war verwundert. Warum würde jemand eine Flasche aufsammeln, die doch nur 8 Cent Pfandwert hatte? Ich entgegnete, ab einer gewissen Anzahl würde es sich ja lohnen. Aber da müsste man doch Duzende, wenn nicht hunderte Flaschen sammeln? Woher die denn alle kommen würden? Ja, Leute stellen stellen ihre Flaschen absichtlich zum Beispiel unter einen Mülleimer, damit Flaschensammler diese einsammeln können. Und das ist gut so.

Die Stille im Corona-Lockdown

Wir sind wieder einmal in das Haus meiner Eltern geflüchtet. Berlin wurde uns allmählich zu anstrengend – und da wir uns nicht an Schulferien oder andere Verpflichtungen halten müssen fiel die Entscheidung nicht schwer.

Das Haus meiner Eltern ist auf dem Lande – in einem Dorf in Norddeutschland. Hier war auch vor Corona schon nicht viel los. Menschen kommen gerne in diese Gegend, um die Stille zu genießen. Und auch ich mag die Stille. Keine Autobahn, kein Flughafen, keine Industrie – viel Natur, ein bisschen Landwirschaft, Stille.

Als Jugendlicher fand ich es manchmal sogar nicht still genug. Und mit Stille meine ich jetzt nicht die Abwesenheit von Lärm oder die Abwesenheit jeglicher Geräusche – sondern vor allem die Abwesenheit von Geräuschen, die durch menschliche Aktivität verursacht werden: Traktoren, vorbeifliegende Flugzeuge, ein Auto in der Ferne – manchmal auch der Motor eines Elbkans.

Natürlich gibt es tagsüber mehr solcher Zivilisationsgeräusche, als nachts. In der Nacht ist es daher immer etwas stiller, als am Tag. Aber eben auch nachts war immer irgendeine menschliche Aktivität zu hören – vor allem Autos, die in der Ferne von einem Dorf zum anderen fuhren – oder auch Musik und Lachen, wenn jemand in einem der umliegenden Dörfer etwas zu feiern hatte. Mich hatte das immer ein wenig genervt. Da lebt man nun schon in einer der am dünnsten besiedelten Regionen Norddeutschland, sitzt quasi mitten in der Natur – und trotzdem muß immer irendwo irgendjemand die Stille durchbrechen.

Im Lockdown war das dann anders. Nun gab es endlich mal keine von Menschen verursachten Geräusche. Keine vorbeifliegenden Flugzeuge, keine Autos in der Ferne, keine Feiern, keine Musik, kein Lachen. Nichts. Nur Stille. Eine bedrückende, fast ohrenbeteubende Stille.

Radio-Kritik: Coverversionen von California Dreamin‘

Eben spielte Radioeins eine Coververion des Klassikers California Dreamin‘ – in einer Version von Bobby Womack.

Im Original ist der Song von The Mamas and the Papas. Soweit so gut. Dann sagt die Moderatorin, dass es sich dabei um einen häufig nachgespielten Song handele – es gebe 56 Coverversionen.

Als aktives Mitglied einer kleinen Band stieg bei mir gleich der Blutdruck, als diese Zahl einfach so als absolute Zahl präsentiert wurde. „Es gibt 56 Coverversionen“. Das ist falsch. Und für dieses Urteil muß ich nicht mal nachdenken. Richtig wäre gewesen: „Die deutsche Wikipedia-Seite zu California Dreamin‘ gibt an, dass es 56 Coverversionen des Songs gibt“ oder „mindestens 56 Versionen“ oder so ähnlich. Also entweder Quelle angeben – oder wenigstens die Zahl nicht als absolute Wahrheit präsentieren.

Jeder, der mal in einer Band gespielt hat, oder auch nur entfernt mit Musikern zu tun hatte sollte doch wissen, dass es im Prinzip zu jedem halbwegs bekannten Song zahllose Coverversionen gibt. Natürlich wurden nicht alle Coverversionen im Studio aufgenommen – und nicht alle im Studio aufgenommen Versionen wurden veröffentlicht. Und nicht alle veröffentlichten Versionen wurden bekannt. Und nicht alle bekannten Versionen sind in der deutschen Wikipedia zu finden. Im Verzeichnis www.whosampled.com sind zum Beispiel zurzeit 74 Versionen zu finden. Es dürfte aber noch sehr viel mehr geben.

Ich würde mir ein wenig mehr Sorgfalt wünschen – auch bei so kleinen Details. Sorgfalt würde in diesem Falle Vorsicht bedeuten. Kein Mensch kann sagen, wieviele Coverversionen es von diesem oder jenem Song gibt. Wer behauptet, die absolute Zahl zu kennen, erscheint mir leider wenig glaubwürdig.

Liebe AKK

ich kenne mich leider nicht so gut aus, was den Karneval und all seine mir merkwürdig erscheinenden Rituale und Regeln angeht. Meine Oma, die im hohen Alter ein zarter Flaum von Oberlippenbärtchen schmückte, war zwar Kölnerin – daher hatte ich gegenüber anderen Nachbarskindern immer schon so etwas wie einen kleinen Wissensvorteil. Aber so richtig habe ich das offenbar nicht verstanden.

Ich dachte immer, beim Karneval ginge es darum, dass sich Außenseiter über die Herrschenden lustig machen dürften – und nicht umgekehrt?! Naja, inzwischen ist offenbar vieles möglich. Bei der Bestimmung von Geschlechterrollen sind wir ja inzwischen zum Glück auch schon ein Schrittchen weiter – zumindest in Berlin – so verstehe ich jedenfalls Teile Ihrer Darbietung.

Aber zurück zum Karneval. Ich weiß zum Beispiel nicht, ob man am Aschermittwoch eigentlich traditionell noch „schlechte WItze“ machen darf. Also zum Beispiel Rassistische WItze? Homophobe Witze? Altersdiskiminierende Witze? Ich vermute schon. Zumindest darf man doch unter dem Karnevals-Deckmantel ein bisschen unter die Gürtellinie treten, oder? Na – ich versuche es einfach mal. Ich bin aber nicht sicher, ob mir das gelingt – ich bin ja genetisch betrachtet nur 1/4 Rheinländer.

Zuerst mal ein offenes Wort in aller Freundlichkeit: Liebe Frau Annegret Kramp-Karrenbauer, Ihre Hetero-normative Hasspropaganda – öhm – Ihre Büttenrede – ist in Berlin überhaupt nicht gut angekommen. Aber vielleicht lässt sich Ihr Ausrutscher auch irgendwie erklären… Vielleicht haben Sie selber ja nicht verstanden, wie Karnevals-Humor funktioniert? Immerhin stammen SIe ja ’nur‘ aus dem Saarland – da macht man sich ja vielleicht das ganze Jahr lang über über die Herrschenden lustig – nur zum Karneval wird mal auf die Außenseiter, die Schwachen, die Hilfbedürftigen getreten. Oder wars eventuell der Alkohol? Oder Sie werden einfach alt – und so langsam setzen sich zunehmend die männlichen Hormone durch? Letzerer Erklärungsansatz erscheint mir am wahrscheinlichsten – denn solche Macho-Sprüche würde ich einer Frau eigentlich gar nicht zutrauen. Ja, vermutlich waren es die Hormone.

Auch bei mir spielen die Hormone manchmal verrückt. Dann setze ich mich zum Pinkeln hin,  genieße erstmal einen Latte-Macchiato und weiß plözlich gar nicht mehr, ob ich Männchen oder Weibchen bin. Und eigentlich ist es mir auch scheißegal. Ich wünschte, es würde keinen Unterschied machen, mit welchen primären Geschlechtsmerkmalen man nun diesen Planeten betreten hat. Es sollte in der Ausbildung, bei der Berufswahl, beim Lohn, bei der Rente und sowieso einfach mal grundsätzlich keinen Unterschied machen. Und ich hatte ja eigentlich gedacht, wir wären da auch schon einen Schritt vorangekommen.

Aber vielleicht sind wir ja auch schon weiter, als mich das Ihre ‚Entgleisung‘ vermuten läßt. Vielleicht dürfen ja Frauen jetzt auch Macho spielen – zumindest zur Karnevalszeit?

Eigentlich ist es mir ja auch egal. Ich würde Ihnen aber dringend empfehlen, mal nach Berlin zu kommen und einen Latte-Macchiato zu schlürfen. Und wenn Sie möchten, dürfen Sie in Berlin auch im Stehen pinkeln.

Thermometer zeigt fast 30°C

Über „mehr als halb so wenig“ und kalte Temperaturen und so

Heute war es mal wieder so weit: auf meinem bevorzugten Regionalradiosender hörte ich die Formulierung „…mehr als halb so wenig…“ und fühlte mich animiert, zunächst einen Tweet abzusetzen. Und dann noch einen. Und nun dieser Blog-Eintrag. Warum? Weil.

Über „kalte Temperaturen“ und „warme Temperaturen“

Schon länger empfinde ich ein gemischtes Gefühl aus Unwohlsein und hämischer Freude, wenn ich etwas über „kalte Temperaturen“ oder „warme Temperaturen“ hören muß. Ja, ich habe mal ein paar Vorlesungen über Termodynamik gehört – und da hat sich folgendes bei mir festgesetzt: die Temperatur ist eine Maßeinheit – sie kann nicht kalt oder warm sein – nur hoch oder niedrig. Eine hohe Temperatur mag sich warm anfühlen und eine niedrige Temperatur kalt – aber die Temperatur selbst kann weder kalt noch warm sein. Soweit zur Physik.

Ich habe dann auch mal in einer Zeitungsredaktion (online) gearbeitet – und da wurde durchaus schon großer Wert auf Worte und ihre Bedeutung gelegt. Auch das hat sich bei mir irgendwie festgesetzt. Insofern achte ich immer gerne besonders akribisch auf Nachrichten und wie diese formuliert werden. Haarspalterei. Ich weiß. Ein Bespiel: In der Regel werden Gebäude evakuiert und nicht Menschen. Menschen würden es nicht überleben, wenn man sie evakuieren würde. Dennoch wird gerne berichtet, daß Menschen evakuiert wurden. Aber das nur nebenbei.

„mehr als halb so wenig“

In dem heutigen Fall ging es um das Einkommen – bzw. genauer um die Differenz zwischen den Einkommen in Ost. und Westdeutschland. Inhalt der Meldung: bei manche Berufgruppen sind auch heute noch die Löhne im Osten niedriger als im Westen. Skandal! Das stimme ich zu! Aber wie transportiert man zumindest eine große Idee vom Ausmaß der Ungerechtigkeit?

Auch hier haben wir eine Skala – eine Maßeinheit. Jemand kann viel verdienen, oder wenig. Und wenn jemand 50% von dem verdient, was jemand anderes verdient, dann verdient er/sie weniger – oder ebem halb so viel. Aber „halb so wenig“ ist einfach quatsch. Und noch größerer Quatsch ist es zu sagen, dass jemand „…mehr als die Hälfte weniger…“ verdient. Entweder jemand verdient mehr als die Hälfte, oder weniger als die Hälfte. Leider weiß ich nun nicht, was nun der konkrete Fall ist. Verdienen manche Menschen weniger, als die Hälfte? …oder mehr als die Hälfte…? Und wenn ja: wie viel weniger? Oder wie wenig mehr? Ich bin verwirrt.

Um das mal auf die Temperaturen anzuwenden: wenn es gestern -10°C war und heute nur –4°C dann würde doch auch niemand auf die Idee kommen, zu sagen, dass es heute „weniger als die Hälfte so kalt ist“ wie gestern – oder etwa doch? Na, ich bin mal gespannt auf den nächsten Winter…

Mein höchstpersönliches Problem mit DriveNow

Vor kurzem ist ein guter alter Freund ums Leben gekommen. Er war in einem BMW i3 des Carsharing-Anbieters DriveNow unterwegs. Es war spät, er hatte mit einem alten Schulfreund ein Konzert in Hamburg besucht – und die beiden wollten offenbar nach hause fahren. Sie sind leider nicht zuhause angekommen.

Was war passiert? Die Presse munkelt, dass Alkohol im Spiel war – und dass die beiden zu schnell unterwegs waren. Ich weiss es nicht – ich war nicht dabei. Für mich gibt es zurzeit nur diese Fakten: die beiden hatten eine gute Zeit und haben dann offenbar spontan entschieden, einen BWM i3 des Carsharing-Anbieters DriveNow zu nehmen – selber zu fahren – und nicht z.B. ein Taxi zu nehmen. Auf der Hannoverschen Srasse in Hamburg-Harbug gerieten sie in den Gegenverkehr und kollidierten mit einem Bus.

Mein Problem mit DriveNow

Es gab eine Zeit, da war ich großer Fan von DriveNow. Fast überall und jederzeit verfügbar, so schnell wie ein Taxi, so günstig wie die Öffentlichen. Das war jedenfalls mein erster Eindruck. Ich habe eine zeitlang selber gerne und häufig spontan ein Auto gemietet – mal einen Mini, mal einen BMW, mal mit Gangschaltung, mal Automatik. Ein verfügbares Auto zu finden war nie wirklich schwierig – häufig standen gleich mehrere Modelle in erreichbarer Entfernung. Und eine zeitlang dachte ich, das wäre das ideale Modell, um einfach, schnell und günstig zum Beispiel zu einer Party oder zu einem Konzert zu fahren. Einfach hinfahren, das Auto stehen lassen und mit dem Taxi oder der BVG nach hause.

Dieser positive erste Eindruck hat sich im Laufe der Zeit aber zum Negativen geändert. Zuerst möchte ich mal das Tarifmodell kritisieren. Man bezahlt pro Minute. Je schneller man am Ziel ist, desto günstiger wird es – desto ‚besser‘ oder ‚effektiver‘ war die Fahrt. Seit jahren rege ich mich über die Carsharing-Nutzer auf, die offenbar versuchen, so schnell wie möglich zum Ziel zu kommen – und dementsprechend so schnell wie möglich zu fahen. Und ich kenne das Problem bzw. das Phänomen ja selber: plötzlich fühlt man sich gut, wenn man noch eben eine gelbe Ampel mitgenommen hat – und die Fahrt wird dementsprechend günstiger. Und dann hat man unter Umständen auch noch mit Autos zu tun, die man eben gar nicht, oder nur unzureichend kennt. Ein neuer BWM? Wunderbar – gleich mal testen. Automatik? Egal – so schwer wird’s schon nicht sein. Elektro-Antrieb? Soll ja eine gute Beschleunigung haben. Gleich mal ausprobieren…

So kann es nicht weitergehen

DriveNow muss früher oder später sein Tarifmodell ändern – oder es wird immer wieder zu schweren Unfällen kommen. Wenn man im Internet nach „Carsharing Unfall“ sucht, bekommt man eine erschreckend hohe Anzahl von zum Teil fürchterlichen Geschichten zu lesen. offenbar kommt es regelmäßig zu mehr oder weniger schweren Unfällen. Häufig ist überhöhte Geschwindigkeit die Ursache und/oder Alkohol und/oder der Fahrer verlor die Kontrolle über den Wagen. Auf der Webseite des Carsharing-Watchblog kann man sich einen Eindruck darüber verschaffen, wie häufig und in welchen Orten es zu Unfällen mit Carsharing-Autos kommt.

Was können Carsharing-Anbieter wie DriveNow tun, um solche Unfälle in Zukunft zu vermeiden?

Ich halte zwei Fakoren für die hauptursache solcher Unfälle: Alkohol und überhöhte Geschwindigkeit. Und sowohl rechtlich als auch technisch sollte es eigentlich kein Problem sein, diese beiden Faktoren anzugehen. Dazu folgende drei Vorschäge:

1. Tarifmodell ändern

Die meines Erachtens nach einfachste und evtl. auch effektivste Maßnahme wäre es, das Tarifmodell zu ändern. Anstatt pro Minute abzurechnen, sollte der Preis einer Fahrt pro Kilometer berechnet werden – oder aus einer Kombination beider Faktoren. Es kann nicht sein, dass Raserei durch niedrige Fahrtkosten ‚belohnt‘ wird.

Der Carsharing-Anbieter Drive By bietet genau dieses Tarifmodell bereits heute an – offenbar leider mit mäßigem Erfolg. Nur vereinzelt sieht man Fahrzeuge von Drive By. Aber das muss ja nicht so bleiben – letztendlich habe ich die Hoffnung, dass sich doch das meiner Meinung nach vernünftigere tarifmodell durchsetzt.

2. Verfügbarkeit einschränken

Carsharing-Autos sind in vielen deutschen Großstädten fast überall und zu jeder Zeit verfügbar. Wenn man eine entsprechende Mitgliedschaft abgeschlossen hat kann man quasi jederzeit und überall „einfach mal“ ein Auto mieten – und fahren. Das ist insbesondere dann besonders verlockend, wenn man vielleicht gerade die letzte U-Bahn verpasst hat, oder einfach keine Lust hat, auf den Nachtbus zu warten oder ein Taxi zu nehmen. Im Prinzip kann diese Verfügbarkeit ja auch sehr praktisch sein – wenn der Fahrer aber zuvor Alkohol getrunken hat, kann das fatale Folgen haben.

Durch den Einbau einer „Alkohol-Wegfahrtsperre“ ließe sich das Problem so gut wie aus der Welt schaffen. Zumindest ließe sich die Verfügbarkeit für alkoholisierte Personen einschränken. Will man ein Auto zum Beispiel zwischen 22Uhr und 6Uhr mieten, kann man es nur starten, wenn man zuvor einen eingebauten Alkoholtest (auch bekannt als „Alcolock“) bestanden hat. Hat man hingegen zuviel getrunken, bleibt das Auto stehen.

Das mag jetzt vielleicht zu futuristisch klingen – ist in Schweden durchaus schon seit Jahren üblich, wie ZEIT ONLINE in dem Artikel ‚Pusten, damit der Motor läuft‚ bereits 2012 berichtet. In Schweden dürfen Arbeitgeber von ihren Mitarbeitern verlangen, dass sie sich vor Fahrtantritt einem Alkoholtest unterzeihen. Volvo hat mit dem „Alcoguard“ das passende Produkt am Markt.

3. Geschwindigkeit drosseln

Moderne Navigationsgeräte wissen fast auf den Meter genau, welche Geschwindigkeitsbegrenzung gerade aktuell ist – wie schnell man gerade fahren darf. Technisch sollte es also eigentlich kein Problem sein, Carsharing-Fahrzeuge so auszurüsten, dass immer nur die gerade erlaube Höchstgeschwindigkeit gefahren werden kann.


Ich hoffe sehr, dass zumindest mehr über dieses Thema und diese Problematik gesprochen wird. Zeitbasierte Tarifmodelle stellen ein Risiko dar – darüber muss man hoffentlich nicht streiten. Ob auch meine anderen beiden Vorschäge früher oder später mal zum Standard werden läßt sich zum gegenwärtigen zeitpunkt nicht abschätzen – die Carsharing-Anbieter werden sich vermutlich mit allen Kräften dagegen wehren – denn sie müssten letztendlich eingestehen, dass es ein Problem gibt. Und ja – ich möchte es nochmal sagen: es gibt ein Problem. Und das ist nicht nur mein höchstpersönliches Problem.

Hat Trump 2016 in Schottland wirklich das Brexit-Ergebnis vorausgesagt?

Die Britische Premierministerin Theresa May war gerade in den USA. Gestern gab es ein erstes Gespräch zwischen Donald Trump und Theresa May, danach einen gemeinsamen Pressetermin. Bei dieser Gelegenheit deutete Trump an, er habe während seines Besuches in Schottland im Juni 2016 das Brexit-Ergebnis vorhergesagt:

“I happened to be in Scotland… cutting a ribbon, when Brexit happened. I said- this was the day before, you probably remember- ‘Brexit is going to happen’ and I was scorned in the press for making that prediction”.

kurz mal frei übersetzt:

„ich war gerade in Schottland… (…) als der Brexit war. Ich sagte– und das war an dem Tag vorher, wie Sie sich vermutlich erinnern werden– ‚Brexit wird kommen‘ und für diese Vorhersage wurde ich dann von der Presse verachtet. „

So so. Das ist ja mal eine ziemlich eindeutige Behauptung. Aber ist sie auch wahr? Oder hat Trump mal wieder ein bisschen übertrieben?

Nun möchte man meinen, es wäre relativ einfach nachzuprüfen, ob Trump mit dieser Behauptung gelogen hat, oder nicht. Aber es ist etwas komplizierter, als zunächst gehofft. Da ist nämlich zunächst mal die Rede, die Trump anlässlich der Eröffnung seines neuen Golfplatzes hält. Diese Rede hält er am 24. Juni – zu diesem Zeitpunkt liegt das Brexit-Ergebnis bereits vor. Und diese Rede ist vermutlich deshalb vielen in Erinnerung geblieben, weil sich Trump einen Faux-Pas leistet: Schottland hat mehrheitlich gegen den Brexit gestimmt – dennoch gratuliert Trump den Leuten, dass sie sich nun ihr Land zurrückholen. In Schottland kam das gar nicht gut an.

Trump dokumentiert diesen Faux-Pas anschliessend auch noch mit einem entsprechenden Tweet:

Frei übersetzt:

„Bin gerade in Schottland angekommen. Alle sind ganz wild wegen der Abstimmung. Sie haben sich ihr Land zurrückgeholt, so wie wir uns Amerika zurrückholen werde. Keine Spielchen!“

Ok – die Sache scheint klar zu sein – Trump hat in Schottland zum Brexit gratuliert. Also lag das Ergebnis der Abstimmung zu diesem Zeitpunkt bereits vor.

Aber: vor dem Termin auf dem Golfplatz gab es auch noch ein Fersehinterview, das bereits vor der Brexit-Abstimmung aufgezeichnet wurde:

In diesem Interview sagt Trump offenbar: „I think that Britain will separate from the EU“ – also sowas wie „Ich denke Großbritanien wird sich von der EU trennen“ oder „ich vermute…„. Ob er während des Interviews in Schottland war kann ich nicht sagen. Vermutlich nicht. Aber, wenn ich das richtig verstehe, wurde das Interview offenbar bereits im März 2016 aufgezeichnet.

Man kann also festhalten: Ja, Trump hat das Brexit-Ergebnis vorausgesagt – oder besser gesagt öffentlich erhofft. Eine seiner vielen „I think…“ Äusserungen, die später schnell entweder zurräuckgezogen werden können – oder wie in diesem Fall als „Ich habe es ja vorher gewusst.“ Aber es stimmt scheinbar nicht, dass er das während seines Besuches in Schottland getan hat. Das Interview wurde allerdings an dem Tag gesendet, an dem er in Schottland einen Golfplatz eingeweigt hat. Die Antwort auf die Frage Hat Trump in Schottland das Brexit-Ergebnis vorausgesagt? wäre also mal wieder Ja und Nein. Und genau so scheint die Trump-Logik ja im allgemeinen zu funktionieren: am besten, man sagt „Es regnet“ und „Es regnet nicht“ – dann hat man zumindest immer zu 50% Recht.

Auch interessant:

Gutes Wetter Schlechtes Wetter

Es gibt Dinge, die sind so dumm und ärgerlich, dass man sie eigentlich einfach nur ignorieren möchte. Und dann gibt es Dinge, bei denen ist das ignorieren schon zu anstrengend – man möchte sie quasi nicht einmal ignorieren müssen. Und dann wieder gibt es Dinge, da hilft das ignorieren einfach nicht – oder zumindest fällt es mir leichter, kurz darüber zu schreiben, als zu versuchen, die Sache zu ignorieren. Und sei die Sache auch noch so banal. Soweit die Vorwarnung.

Seit einiger Zeit läuft auf Radio Eins die etwas unglückliche Diskussion, was denn nun eigentlich „Gutes Wetter“ oder vielmehr „Schönes Wetter“ ist – und was demzufolge „Schlechtes Wetter“ ist. Dabei ist „Diskussion“ etwas zu hoch gegriffen. Es gab wohl Beschwerden von einzelnen Hörern, dass Sonnenwetter immer (immer!) als Schönes Wetter bezeichnet wurde. Und nun versuchen sich die Moderatoren halbwegs *lustig* mit dieser Kritik auseinander zu setzen.

Grundsätzlich finde ich das Thema ja auch ganz amüsant. Diskussionen um das Wetter können ja fast schon philosophische Züge annehmen. Aber leider ist bei den lieben Kollegen kaum abzusehen, dass sich irgendwann Verständnis oder sogar Einsicht einstellen würde, warum es von vielen Hörern als falsch empfunden wird, Sonnenschein mit „Schönem Wetter“ gleichzusetzen.

Heute lief mein persönliches Fass dann über: draussen sei es wohl „gemütliches Wetter oder eben mieses Wetter – je nachdem, auf welcher Seite der Scheibe man steht“. Wie ist das denn zu verstehen?! Es geht doch nicht darum, dass manche Leute vielleicht Regenwetter lieber mögen, als Sonnenschein – und dementsprechend vom Radiomoderator erwarten würden, dass er Regenwetter als „Schönes Wetter“ bezeichnen würde. Zumindest geht es mir nicht darum. Mein subjektiver Eindruck vom Wetter ist eine ganz andere Geschichte – egal, ob dieser wohlmöglich von dem persönlichen Empfinden des Radiomoderators abweicht, oder nicht.

Eigentlich sollte es doch ganz einfach sein: mir persönlich geht es jedenfalls einfach nur um Journalismus – und zwar um guten Journalismus. Dazu gehört auf jeden Fall eine einigermaßen wertneutrale Berichterstattung. Und der Wetterbericht ist meinem Empfinden nach ein Teil der Berichterstattung – des journalistischen Angebots – Teil der Nachrichten. Und ich meine, es wäre nun wirklich nicht zu viel verlangt, die persönlichen Präferenzen einfach mal von der reinen Berichterstattung zu trennen – eben auch beim Wetterbericht. Sonnenschein ist zunächst einfach mal Sonnenschein – und Regen ist Regen. Ob das nun schön, oder gut, oder schlecht ist – darüber kann man vortrefflich abendfüllend diskutieren. Frag doch zum Beispiel mal einen Landwirt, ob 10 Tage Sonnenschein wirklich „schönes Wetter“ sind! Frag mal einen Allergiker, ob ein Regenguss im Hochsommer wirklich „schlechtes Wetter“ ist!

In diesem Sinne – einen schönen Herbst!

Brexit uk eu London Big Ben Skyline

Brexit – das UK EU Referendum und die Folgen

Es ist das erste Wochenende nach dem EU Referendum – das Ergebnis liegt seit gut 48 Stunden vor – und der Brexit scheint beschlossene Sache zu sein. Aber ist das wirklich so? Ist der Brexit bereits beschlossene Sache? Ehrlich gesagt: ich glaube das nicht.

Zunächst muss Großbritannien formal den Antrag auf Austieg einreichen. David Cameron hat schon angedeutet, dass er sich nicht darum kümmern möchte – also wird der Brexit wohl  frühestens im Oktober 2016 anlaufen.

Ab Oktober wäre dann also Camerons Nachfolger für das weitere Brexit-Verfahren zuständig. In den folgenden zwei Jahren würde es darum gehen, quasi alle (alle!) Verträge und Abkommen, die zurzeit zwischen Großbritannien und der EU bestehen, neu zu verhandeln. Aber ist das überhaupt zu schaffen? Und wer möchte das?

Die Brexit-Befürworter haben meines WIssens nach vor der Abstimmung behauptet, sie wollten vor allem deshalb aus der EU austreten, um neue, für Großbritannien vermeintlich bessere, vorteilhaftere Abkommen vereinbaren zu können. Ein Vertrag besteht aber immer zwischen zwei Vertragspartnern – und natürlich werden beide Seiten versuchen, einen möglichst guten Deal zu bekommen – oder zumindest den Status-Quo zu behalten. Im besten Fall bleibt also alles wie es ist – im schlimmesten Fall kommt es zu keiner EInigung – oder eine der beiden Seiten muss Kompromisse eingehen.

Als Grönland Anfang der Achtziger Jahre aus der EU austrat musste auch vieles neu verhandelt werden. Allerdings waren die Themen, die damals verhandelt wurden, recht überschaubar. Trotzdem benötigte man mehrere Jahre, um alle Verträge zu verhandeln. Man darf also bezeifeln, ob es überhaupt technisch möglich ist, alle bestehenden Vertäge fristgemäß neu zu verhandeln. Am einfachsten wäre es eventuell, man würde die bestejhenden Regelungen einfach übernehmen.

Wie geht es mit dem Brexit weiter?

Sollte Großbritannien also seinen Austritt aus der EU wirklich wünschen – und diesen Wunsch also auch offiziell bei der EU einreichen – dann müssten also grundsätzlich alle Abkommen neu verhandelt werden. Letztendlich wird Großbritannien aber kaum bessere Deals bekommen, als es sie schon heute hat. Man wird im Laufe der Zeit anfangen abzuwägen, ob sich ein EU-Austritt wirklich lohnt – oder ob man sich doch geirrt hat.

Spätesten die nachfolgende Regierung wird dann feststellen, dass es sehr viel einfacher und kostengünstiger wäre, nicht aus der EU auszutreten und stattdessen als gleichberechtigtes Mtglied direkt zu verhandeln – so wie es bisher eben auch schon immer möglich war.

Eventuell werden aber neue Abkommen verhandelt – die dann der Britischen Bevölkerung zur Abstimmung vorgelegt werden. Dann müsste ein neues Referendum zeigen, ob die Mehrheit der Briten immernoch aus der EU austreten möchte – oder lieber doch nicht.

Alternativ könnte das Britische Parlament auch schon im Laufe der Verhandlungen, oder sogar vor Beginn der Verhandlungen sich gegen den Brexit entscheiden und so den Rücktritt vom Austritt veranlassen. Das würde zwar den Glauben an die Referenden und ggf. die Demokratie beschädigen – insofern den Brexit-Befürwortern zugunste kommen – aber kostengünstiger  und vor allem vernünftiger wäre es allemal, als nun eine mindestens zweijährige Hängepartie zu inszenieren, von der eigentlich alle schon vorher wissen, dass weder die EU, noch Großbritannien davon profitieren würde.

Soweit die Theorie.


Siehe auch: